Gevelsberger Heimatverein e. V.: 1946 – 2021.

75 Jahre im Dienst für Gevelsberg und seine Bewohner


von: Günter Decker


Gevelsberg zeichnet sich seit jeher durch engagierte Bewohnerinnen und Bewohner sowie ein vielfältiges Vereinsleben aus. Seit nunmehr 75 Jahren ist der Gevelsberger Heimatverein fester Bestandteil des Gemeinwesens unserer Heimatstadt. Jubiläen sind stets ein guter Anlass zur Rückschau auf die Vergangenheit, aber gleichzeitig auch eine Gelegenheit, die Gegenwart zu betrachten und einen Ausblick in die Zukunft zu wagen.
Der Gründung eines Heimatvereins waren schon nach dem Ersten Weltkrieg Bestrebungen vorausgegangen, als der Gevelsberger Verkehrsverein am 19. März 1925 „im Vorgriff auf einen etwaigen ‚Heimatverein‘ einen ‚Heimatausschuss‘“ in seiner Satzung verankerte. Dieser Heimatausschuss hatte bereits im Jahre 1918 zur Gründung eines Heimatmuseums aufgerufen.
Die Zeitumstände, insbesondere während der Jahre 1933 bis 1945, ließen die Gründung eines Heimatvereins aus den verschiedensten Gründen nicht zu.

Im September 1946 – die ersten demokratischen Kommunalwahlen nach der Diktatur hatten gerade stattgefunden – wurde das Thema „Heimat“ in Gevelsberg erneut aufgegriffen. Als Leiter der Stadtverwaltung übernahm der damalige Stadtdirektor Erich Blumenroth die Koordination der Gespräche im Vorfeld. So wurde der Gymnasiallehrer Emil Böhmer aus Schwelm, der bereits „in den 1920er Jahren als Kreisheimatpfleger die ‚Arbeitsgemeinschaft Ennepe-Ruhr-Süd‘ im ‚Westfälischen Heimatbund‘ ins Leben gerufen hatte“, am 25. November 1946 in den Sitzungssaal des damaligen Rathauses eingeladen.
Die Gründung des Gevelsberger Heimatvereins als „Heimatbund Gevelsberg“ wurde der Überlieferung nach an diesem Tag beschlossen. Bis zur Genehmigung durch die britische Militärregierung arbeitete der Verein mit einem geschäftsführenden Ausschuss, dem Bürgermeister Trost, Lehrer Remmert und Verwaltungsinspektor Büxenstein angehörten. Am 16.12.1946 fand die erste Veranstaltung als Werbeveranstaltung des „Heimatvereins Gevelsberg“ im großen Saal des Kreiswerkes statt. Im Sommer des Jahres 1947 genehmigte die britische Militärregierung den Verein.

26 Jahre sollte der Verein nun „Heimatbund Gevelsberg“ heißen. Die Vorsitzenden in dieser Zeit waren Bürgermeister Gustav Trost (1946 bis 1951), Otto Remmert (1951 bis 1961) und Hans Schulz (1961 bis 1972). In der Versammlung am 4. Mai 1972 wählten die Mitglieder den Unternehmer Carlfriedrich Hückinghaus zum Vorsitzenden.
Gleichzeitig wurde 4. Mai beschlossen, den „Heimatbund Gevelsberg“ in „Gevelsberger Heimatverein“ umzubenennen und den Verein in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Die Eintragung als e.V. ins Vereinsregister beim Amtsgericht Schwelm erfolgte 1972 an einem historischen Gevelsberger Tag – am 7. November – genau 747 Jahre nach der Ermordung Erzbischof Engelberts I. von Köln in einem Hohlweg auf dem Gebiet des heutigen Gevelsbergs.
Bis zu seinem Tode im Jahr 1989 war Carlfriedrich Hückinghaus Vorsitzender des Vereins.

Ihm folgte Dieter Krakrügge von 1989 bis 1990 zunächst als kommissarischer Vorsitzender. Am 7. Februar 1990 wurde Dieter Krakrügge von der Mitgliederversammlung zum Ersten Vorsitzenden gewählt und führte den Verein bis in das Jahr 2002.
Am 15. März 2002 übernahm Marlis Schäfer den Vorsitz von Dieter Krakrügge, der daraufhin als erster zum „Ehrenvorsitzenden“ ernannt wurde, den Vorsitz. In ihrer Amtszeit gelang es Marlis Schäfer, den vom Verein, der Stadt und den Bürgern schon lange gehegten Wunsch nach einer Heimatstube zu verwirklichen.
Marlis Schäfer rief 2006 als Vorsitzende auf Anregung von Altbürgermeister Dr. Klaus Solmecke und Detlef Sauerborn von der Jahresmagazin-Redaktion die Initiative „Gevelsberger Schätze bewahren“ ins Leben, mit der die Gevelsbergerinnen und Gevelsberger aufgerufen wurden, in ihren Kellern und auf den Dachböden nach Zeugnissen Gevelsberger Vergangenheit zu suchen. Das war der Beginn der Heimatstube, die zuerst Räume im Keller des alten Gevelsberger Krankenhauses nutzen konnte. Günter Deckers diplomatischem Geschick war es zu verdanken, dass die Heimatstube mit eigenen Räumen in der Alten Geer ein festes Domizil finden und am 16. Mai 2009 eröffnet werden konnte. Seither wird die „Stube“ als Standort der Gevelsberger Geschichte gepflegt.
Um sich noch intensiver der Heimatstube widmen zu können, verzichtete Marlis Schäfer 2010 auf eine erneute Kandidatur. Den Vorsitz übernahm dann am 12. März 2010 der bis dahin 2. Vorsitzende Günter Decker.
Am 16. Februar 2018 übernahm Carola Dreher den Vorsitz von Günter Decker, der nunmehr die Fachstelle Heimatkunde und Heimatpflege leitet.

Ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt in der Betreuung der Heimatstube. Mit Zusammenlegung der Hauptschule Alte Geer und der Hauptschule West wurden in dem Gebäude an der Geer drei Räume frei, die die Stadtverwaltung seit 2009 dem Heimatverein zur Verfügung stellt. Anschrift: Alte Geer 6. Im ehemaligen Sekretariat, im Rektorat und im Lehrerzimmer befindet sich nun die Heimatstube. Ein Ort, der nach der Zwischenlösung im alten Gevelsberger Krankenhaus ein absoluter Glücksfall war und noch ist.
In der Heimatstube wird gesammelt und ausgestellt, was für Gevelsberg Bedeutung hat. Hier hat alles seinen Platz, wenn „Gevelsberg“ draufsteht oder drin ist, was von Gevelsbergern oder für Gevelsberger hergestellt wurde. Auch findet man in der Heimatstube Haushaltsgegenstände, die das Leben der vergangenen Generationen in Gevelsberg anschaulich machen. Schnell fühlt man sich in Omas „gute Stube“ zurückversetzt und findet Dinge, die man längst vergessen glaubte, an deren Verwendung man sich aber dennoch gut erinnern kann. Ständig wird die Sammlung durch Schenkungen und Leihgaben erweitert.
Was am 3. Januar 2006 mit der Initiative „Gevelsberger Schätze bewahren“ begann, ist heute nach 15 Jahren im Jahr 2021, dank der vielen Stifter und Leihgeber zu einer beachtlichen Sammlung geworden.
Für den Ausbau der heimatgeschichtlichen Sammlung werden weiterhin Gegenstände mit Bezug auf Gevelsberg und seine Geschichte gesucht. Wer sich nicht sicher ist, ob der eine oder andere Gegenstand und das eine oder andere Schriftstück sammelwürdig ist, bekommt beimVorstand des Heimatvereins oder im Stadtarchiv eine fundierte Auskunft.
Die Heimatstube hat jeden zweiten Mittwoch von 16 bis 18 Uhr und jeden dritten Samstag eines Monats von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Natürlich können auch individuell Besichtigungstermine vereinbart werden.
Im Rahmen des vom Kultursekretariat NRW Gütersloh geförderten Projektes „Kulturstrolche“ befassten sich die dritten Klassen der Grundschule Silschede mit dem Thema Stadtgeschichte. Durch eine Dorfführung und den Besuch der Heimatstube sowie die Vor- und Nachbereitungsphasen im Unterricht wurden die Schüler zu Experten in Sachen Heimatgeschichte. Das Interesse war seitens der Schüler und der Schule so groß, dass weitere Schulklassen auch anderer Grundschulen als „Kulturstrolche“ die Heimatstube besuchen. Man sieht: Heimat und Geschichte ist keine Frage des Alters.
An Aktivitäten hat der Gevelsberger Heimatverein so einiges zu bieten: Naturkundliche Wanderungen, Führungen durch das Stadtgebiet, Ausflüge, das traditionelle Auswärtigentreffen zur Kirmes, ein Herbstfest und eine Jahresabschlussfeier.
Bis zu seinem Tod im Dezember 2020 unterstützte Dieter Krakrügge als Ehrenvorsitzender die Arbeit des amtierenden Vorstands und förderte unter anderem als Leiter des monatlich stattfindenden Treffs „Plattdütsche Frönne“ die Erhaltung der plattdeutschen Sprache in Gevelsberg. An jedem vierten Dienstag im Monat lud er um 18 Uhr Interessierte in die Gaststätte „Im Hippendorf“ (Lindengrabenstraße 27) ein, um mit ihnen „auf Platt“ zu klönen und damit ein wertvolles Kulturgut unserer Region zu bewahren.
Bereits seit 1957 lädt der Heimatverein am Kirmeswochenende ehemalige Gevelsbergerinnen und Gevelsberger ein, die aus den unterschiedlichsten Gründen – durch Arbeitsplatzwechsel, Familie und Ruhestand – in alle Himmelsrichtungen verstreut leben und sich für die alte Heimat interessieren.
Aber ganz gleich, ob 20 km oder 2.000 km Entfernung zwischen dem neuen Wohnort und Gevelsberg liegen: Die Heimatliebe verbindet ehemalige und „aktive“ Gevelsbergerinnen und Gevelsberger und führt sie am letzten Juniwochenende regelmäßig wieder zusammen. Es ist Jahr für Jahr wieder eine besondere Freude, sie zum Kirmestrubel begrüßen zu dürfen und beim Auswärtigentreffen zu erfahren, dass sie in all den Jahren den Kontakt zu ihrer Heimat stets gepflegt und „ihr“ Gevelsberg nie vergessen haben. Zurzeit sind es ca. 230 Auswärtige, die in diese Tradition eingebunden sind.

Der Gevelsberger Heimatverein hat sich, wie es in der Satzung festgeschrieben wurde, die „Erfassung, Erhaltung, Förderung, Vermehrung und Vermittlung der Kenntnisse auf allen Gebieten der Heimatkunde des Gevelsberger Raumes im weitesten Sinne“ zum Ziel gesetzt. Ein Ziel, das durch den Vereinsvorstand allein nicht zu erreichen ist. Hierfür benötigt ein Verein Mitglieder und Förderer. Rund 220 Mitglieder hat der Heimatverein zurzeit. Diese unterstützen den Heimatverein und zeigen damit dessen gesellschaftliche Akzeptanz und Verankerung in Gevelsberg.
Sehr freuen würde sich der Heimatverein über neue Mitglieder. Mitglied kann jeder werden, für zurzeit 12 Euro im Jahr. Mit diesem für einen Einzelnen geringen Beitrag wird in der Gesamtheit für unsere Heimatstadt Gevelsberg viel möglich. Nur durch die Unterstützung vieler und auch jüngerer Menschen kann die Vergangenheit erfolgreich durch die Gegenwart in die Zukunft getragen werden.
Dies zu schaffen, ist Sinn, Zweck und Anspruch unseres Vereins – im Dienste Gevelsbergs und seiner Bewohner.

Der Vorstand setzt sich heute wie folgt zusammen:

Geschäftsführender Vorstand
1. Vorsitzende: Carola Dreher
2. Vorsitzender: Andreas Belz
Kassiererin: Elke Brüninghaus (komm.)
Schriftführer: Jürgen Reuter

Fachstellenleiter
Günter Decker (Heimatkunde und Heimatpflege)
Axel Gosewisch (Naturschutz und Naturkunde)
Thorsten Prinz (Kunst)

Beisitzerinnen und Beisitzer:
Bürgermeister Claus Jacobi
Achim Laaser
Marlis Schäfer
Detlef Weißenborn
Susanne Weppner-Belz


Die Vorsitzenden unseres Vereins