Zur Geschichte der „Aue“


Die Ennepeaue – Flurbezeichnung „Die Aue“ – im Bereich der Schönungsteiche wurde spätestens im 18. Jahrhundert durch mehrere Hammerwerke und Mühlen und die Auwiesen als Bleichwiesen genutzt.
Im Bereich von Gut Rocholz, zu dem die Aue jahrhundertelang zugehörig war, sind historisch drei Mühlen-/Hammerstandorte genannt. Der obere, mittelste und untere Rocholzer Hammer. Der obere und untere Rocholzer Hammer sind hierbei gut dokumentiert, während der mittelste Hammer räumlich nicht zu verorten ist. Der obere Rocholzer Hammer lag an einem Hammerteich im Bereich des heutigen Stahlhandels Schmidt an der Rocholzallee.


Georg Wehrmann, „Alte Hämmer am Rocholz“


Die vorgenannten Hammerwerke wurden ursprünglich durch eine Ausleitung eines Wehres unterhalb der Kläranlage mit Wasser versorgt. Später kam noch ein Wehr unterhalb der Rocholzallee hinzu, welches heute noch besteht und den Graben entlang der Bleichhütte (Haus Nr. 40) an der Rocholzallee speist. Die Bleichhütte gehörte im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts als bauliche Anlage zu den ausgedehnten Bleichwiesen der Familie Wuppermann entlang der Ennepe.


Uraufnahme der Topographischen Karte 1:25.000 von 1848
Quelle: Geobasis NRW, Datenlizenz Deutschland – Zero


Die unteren Rocholzer Hämmer befanden sich bis 1934 südlich des neuen Beobachtungsstandes und gehörten zum Gut Rocholz und dessen Eigentümern, der Industriellenfamilie Wuppermann. Die Hämmer waren in den Karten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als „Unterster Hammer“ und „Ösinghauser Hammer“ benannt. Die letzten Mieter der Hammerwerke waren die Firmen Hopper und Höffinghoff.
Das direkt östlich gelegene, unter Denkmalschutz stehende Haus Am Hammerteich 31-33 wurde um 1850 errichtet und diente als Wohnhaus für die Arbeiter der benachbarten Hammerwerke. Das Wohnhaus ist, soweit nachvollziehbar, seit über 100 Jahren durch eine Allee mit Gut Rocholz verbunden.
1905 wurde im Bereich des östlichsten der heutigen Schönungsteiche durch die Ennepe-Talsperrengenossenschaft ein Ausgleichsweiher zur Verstetigung der Wasserführung der Ennepe im Bereich der Auwiesen angelegt.
Von 1925 an bestand im mittleren Bereich der heutigen Schönungsteiche ein Fußballplatz und ein Gelände für Leichtathletik; erkennbar ist hier vor allem eine Nutzung für Sprung- und Wurfsportarten. Die Sportanlage diente Sportlern und Mannschaften aus Vogelsang als Sportstätte, auch wenn sie im Gemarkungsgebiet der Gemeinde Berge lag. Als Nutzer bekannt ist der Freie Sportverein Vogelsang.


Luftbild von 1929,
© RVR, 1926, Aero Lloyd, dl-de/by-2-0.


Der Sportplatz musste bereits 1935 einer Erweiterung des Ausgleichsweihers weichen, ebenso die benachbarten unteren Rocholzer Hämmer. Die alten Gebäude der unteren Rocholzer Hämmer wurden abgebrochen und der Hammerteich mit dem Aushub der Erweiterung des Ausgleichsweihers verfüllt und zu dem noch heute sichtbaren Hügel aufgeschüttet.

Der Mühlgraben, welcher auch der Ableitung des Wassers der Gräfte von Haus Rocholz dient, läuft seit dieser Zeit noch vor dem ehemaligen Hammerteich in die Ennepe.


Schrägluftbild ca. 1960, Quelle: Hansa Luftbild/Stadtarchiv Gevelsberg


Rocholzweiher, 1986


Der Ausgleichsweiher wurde 1989 zu den heutigen Schönungsteichen als Bestandteil der Gevelsberger Kläranlage des Ruhrverbandes umgebaut und erweitert.


AB




Die Schönungsteiche am Rocholz als Vogelbiotop


Durch ihre Gestaltung sind die Schönungsteiche nicht nur eine „abwassertechnische Anlage“, sondern ein Biotop für viele Wasservögel und andere Arten.

Über Jahre haben Dr. Hans Feld vom Gevelsberger Heimatverein e.V. und Bernd Jellinghaus vom NABU Ennepe-Ruhr Kreis e.V. mit eigenen Schwerpunkten separate vogelkundliche Exkursionen zu den Schönungsteichen durchgeführt.
Mittlerweile veranstalten der NABU Ennepe-Ruhr-Kreis e.V. und der Gevelsberger Heimatverein e.V. gemeinsam zweimal im Jahr, ausgehend vom Parkplatz „Berger See“ an der Berchemallee, vogelkundliche Wanderungen zu den Schönungsteichen am Rocholz.
Für Exkursionen und Spaziergänge empfiehlt es sich, als Ausrüstung ein Fernglas und/oder eine Kamera mitzuführen sowie ein geeignetes Vogelbestimmungsbuch.
Einblick in das Vogelleben an den Schönungsteichen erhält der Interessierte an mehreren Beobachtungspunkten auf der Südseite der Teichanlage von der schmalen Straße „Am Hammerteich“ aus.
Im Oktober 2020 errichteten der NABU Ennepe-Ruhr-Kreis e.V. und der Gevelsberger Heimatverein e.V. mit Unterstützung der Stadt Gevelsberg und des Ruhrverbands am östlichsten dieser Aussichtspunkte nahe des Baudenkmals „Am Hammerteich 31 – 33“ einen Beobachtungsstand.
Mit der Konstruktion und dem Bau wurde der Kettensägekünstler und Schreiner Rainer Sprenger beauftragt. Zur Vorbereitung und zum Aufbau der Hütte waren zusätzliche helfende Hände vom NABU Ennepe-Ruhr-Kreis und vom Gevelsberger Heimatverein vor Ort.
Ermöglicht wurde der Bau durch die Unterstützung des Verfügungsfonds Berge-Knapp und Vogelsang aus dem Bund-Länderprogramm „Stadtumbau West“.
In Zukunft soll so nicht nur eine witterungsgeschützte Beobachtungsmöglichkeit, sondern dazu auch in Form von Infotafeln ein Einblick in die Geschichte des Ortes und die Vogelwelt an den Schönungsteichen geboten werden.

Vogelarten

Die Vogelwelt an den Schönungsteichen ist im Winterhalbjahr reichhaltiger als im Sommer, da sich in der kalten Jahreszeit Zugvögel aus Nord- und Osteuropa als Wintergäste hier einfinden.
Dass die Schönungsteiche nicht zufrieren und wärmer sind als manche Gewässer in der Umgebung, macht sie für viele Vögel in der kalten Jahreszeit attraktiv.
In großer Zahl auf den Schönungsteichen vertreten sind Entenvögel, allen voran die häufigste einheimische Entenart, die allseits bekannte Stockente. Diese ist hier Brutvogel und kann ganzjährig an den Schönungsteichen beobachtet werden.
Stockenten neigen zur Hybridisierung mit anderen Entenarten, woraus Nachkommen resultieren, die in ihrem Erscheinungsbild von normalen Stockenten abweichen.
Solche fehlgefärbten Individuen gibt auch an den Rocholzer Schönungsteichen.
Im Winter kann ein erheblicher Zuzug von Stockenten aus anderen Gebieten festgestellt werden.


Stockentenpaar


Männliche Stockente, Farbvariante


Deutlich kleiner als die Stockente ist die ebenfalls ganzjährig, aber in deutlich geringerer Zahl von nur wenigen Paaren, an den Schönungsteichen vorkommende Krickente.
Krickenten gehören wie Stockenten zu den Schwimmenten. Auch bei dieser Art lassen sich im Winter weitaus mehr Individuen zählen, als im Sommer. Krickenten halten sich gern im Uferbereich auf und sind meistens gleich an der ersten Beobachtungsstelle von Gut Rocholz aus gesehen zu entdecken.


Männliche Krickente (X)


Eine weitere Schwimmente, die Schnatterente, kann dagegen nur im Winterhalbjahr beobachtet werden. Vereinzelt wurden auf den Schönungsteichen auch Pfeifente, Spießente, Kolbenente und Löffelente gesichtet.


Schnatterentenpaar


Löffelentenpaar


Häufigste Tauchente ist die Reiherente, die das ganze Jahr über in großer und im Winter in gehäufter Zahl auf den Schönungsteichen anzutreffen ist.


Reiherenten männlich und weiblich/Stockente männlich


Als Wintergäste finden sich auch die ebenfalls zu den Tauchenten gehörenden Tafelenten und gelegentlich Schellenten ein.

Die in den letzten Jahren zahlenmäßig am häufigsten vertretene Gans dürfte die ursprünglich aus dem Norden Nordamerikas stammende Kanadagans sein. Dazu kommen ein oder 2 Paar Nilgänse sowie Graugänse und gelegentlich Saatgänse, Rostgänse und Brandgänse.


Kanadagänse


Meistens kann dazu ein Höckerschwan-Paar an den Schönungsteichen beobachtet werden.
Auffällig in den Wintermonaten sind die großen Schwärme von Lachmöwen; gelegentlich wurden auch einige wenige Sturmmöwen gesichtet.
Graureiher können regelmäßig an den Schönungsteichen sowohl in den Uferbereichen bzw. den Übergangsbereichen zwischen den Teichen stehend oder im Geäst der Erlen im Uferbereich der Schönungsteiche oder an der Ennepe angetroffen werden. Im Bereich der Schönungsteiche haben einige Graureiherpaare auch ihre Brutbäume.
Als Brutbäume werden hohe Bäume, die in ihren Kronen die Horste tragen können, genutzt, hier meist Eschen und Erlen.


Graureiher


Graureiherhorste


Auch Kormorane können das ganze Jahr über an den Teichen oder in den Uferbäumen gesichtet werden, während der Brutzeit auch brütende Paare zwischen den Reiherhorsten.


Kormorane


Sowohl Teich- als auch Blässralle sind Brutvogel an den Schönungsteichen und halten sich ganzjährig hier auf.
Gleiches gilt seit einigen Jahren auch für den kleinen agilen Zwergtaucher, von dem bei jedem Besuch mehrere Exemplare gesichtet werden können.


Teichralle


Blässralle


Zwergtaucher


Einen kleinen Höhepunkt eines Spaziergangs zu den Schönungsteichen bildet die gar nicht so seltene Sichtung des buntschillernden Eisvogels, der zumeist einzeln, manchmal aber auch als Paar unterwegs ist.
Aufmerksame Beobachter können den „fliegenden Edelstein“ z. B. in den Büschen und Bäumen im Uferbereich der Teiche sitzend, beim schnellen Flug über die Teiche, an der Ennepe oder im Bereich der Gräfte entdecken.


Eisvogel


Säugetiere an den Schönungsteichen

Bisam
Eine ursprünglich aus Nordamerika stammenden Nagetierart, die sich mittlerweile über fast ganz Europa verbreitet hat, zählt wie die Kanadagans zu den an den Schönungsteichen vorkommenden neobiotischen Tierarten.
Der Bisam oder die Bisamratte gehört zu den Wühlmäusen und erreicht eine Körperlänge von 25 bis 30 cm und ein Gewicht von durchschnittlich 900 g.
Bisamratten leben semiaquatisch an und in stehenden sowie fließenden Gewässern und sind hauptsächlich nacht- und dämmerungsaktiv, können jedoch auch tagsüber schwimmend oder am Ufer bei der Nahrungsaufnahme beobachtet werden.
Sie ernähren sich vorwiegend pflanzlich von Uferpflanzen und fressen nur gelegentlich Muscheln, Krebse und Insekten.


Bisam


Fledermäuse
Von etwa Ende März – nach Beendigung des Winterschlafes – bis Oktober lassen sich ab Einbruch der Abenddämmerung im Bereich der Straße „Am Hammerteich“ und über den Schönungsteichen verschiedene Fledermausarten bei der Jagd und beim Trinken beobachten.
Im Jahr 2017 wurden von Rüdiger Stock vom NABU Ennepe-Ruhr-Kreis Zwerg- und Wasserfledermäuse geortet.
Die vom Nabu-Ennepe-Ruhr-Kreis e.V. an den Bäumen aufgehängten Fledermauskästen dienen den Tieren u. a. als Sommerquartier.

Ratten
Aufgrund der Unsitte, Enten mit großen Mengen Gebäcks füttern zu wollen, sind regelmäßig stattliche Ratten oder deren Nachwuchs an den Ruhebänken zu beobachten.


Vögel im Bereich der Fußgängerbrücke „Am Hammerteich“

Im Bereich der Fußgängerbrücke über die Ennepe kann man am Ufer oder auf Steinen im Flussbett häufig Gebirgsstelzen und Wasseramseln entdecken und letztere gut beim Schwimmen oder Tauchen beobachten. Im Bereich der Brücke befindet sich ein vom NABU Ennepe-Ruhr-Kreis e.V. angebrachter Wasseramselnistkasten.

SWB